Bund für Tier- und Naturschutz Ostwestfalen e. V.

Jagd schützt nicht, Jagd tötet:


Die einen fangen sie in Fallen, jagen, schießen und töten sie; die anderen schützen, pflegen sie, um ihr Leben zu retten. Und nicht selten töten die einen die, denen die anderen liebe- und oft mühevoll das Leben erhalten haben. Wie ertragen es die Tierschützer, die über Wochen ein Tier – Feldhase, Rehkitz, Kaninchen, Waschbär, Fuchs, Wildtaube – aufgezogen oder gesundgepflegt, mit Freude seine Entwicklung beobachtet haben, dann Abschied von ihm nehmen, um es in die Freiheit zu entlassen - für die Flinte oder Falle des Jägers!


“Es hat mir nie eingeleuchtet, was manche Leute für Freude daran haben, Tiere totzuschießen.”
Bernhard Grzimek

 

 

Update Sommer 2015:


Die Totschlagfallen sind gegen den enormen Widerstand des Landesjagdverbandes endlich von der rotgrünen Landesregierung in NRW verboten worden!!!

 

Video einer Schliefanlage in Halle (Westfalen)
 

Am vergangenen Wochenende meldete sich bei der Initiative WIR FÜCHSE ein junges Paar aus Bielefeld, das bei einem Spaziergang am Haller Wald, Nähe der Osnabrückerstraße, auf eine verborgen liegende Zwingeranlage gestoßen war, in der zu ihrer Überraschung zwei Füchse (ein Rotfuchs und ein Silberfuchs) gehalten werden. Die jungen Leute, denen die beiden Füchse hinter den Eisengittern in der tristen Betonanlage leid taten, wandten sich an die Organisation, in der Annahme, das eine solche Haltung von Wildtieren ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz sei. Der Tierschützer Marc Buchtmann sah sich die Anlage daraufhin an und stellte fest, dass es sich um eine sogenannte Schliefanlage handelt.

 

Schliefanlagen werden von Jägern betrieben und dienen der Ausbildung von Jagdhunden, um diese an lebenden Füchsen u. a. für die Baujagd scharf zu machen. Die Baujagd ist eine besonders grausame Form der Jagdausübung: Bei dieser Art der Jagd werden sogenannte raubwildscharfe Hunde in den Fuchsbau geschickt, um dort verharrende Füchse heraus zu jagen. An den Ausgängen warten währenddessen die Jäger darauf, zum Schuss zu kommen. Mutige Füchse lassen es bisweilen auf einen Kampf mit dem Hund ankommen, der im schlimmsten Fall für beide Beteiligten tödlich enden kann, meist aber zumindest zu gravierenden Verletzungen führt. Diese blutigen Kämpfe können manchmal stundenlang dauern und es kommt vor, dass die Tiere sich so ineinander verbeißen, dass die Jäger sie mit dem Spaten ausgraben müssen.  Schliefanlagen, in der Hunde für die Baujagd ausgebildet werden, bestehen aus einem System von Betonröhren, durch das der abzurichtende Hund den Fuchs jagt. Um die Tötung des Übungsfuchses in frühen Phasen der Ausbildung durch den Jagdhund zu vermeiden, sind einzelne Abschnitte der Anlage durch Schieber abtrennbar. Trotzdem erleiden die eingesetzten Füchse bei jedem Einsatz Stress und Angst. Die Tiere, meistens der freien Wildbahn entnommen, werden zwischen den Ausbildungszeiten in trostlosen Käfigen oder viel zu kleinen unzureichend ausgestatteten Zwingern gehalten. Obwohl es nach § 3 Nr. 7 und 8 des Tierschutzgesetzes in Deutschland verboten ist Tiere aufeinander zu hetzen, sind Schliefanlagen mit behördlicher Genehmigung noch immer erlaubt. Die von der NRW- Landesregierung geplante Reform des Jagdgesetzes sieht nun allerdings vor, sowohl die tierquälerische Baujagd als auch den Einsatz lebender Füchse in Schliefanlagen zu verbieten.

„Indem die Jäger Baujagden einschließlich Schliefanlagen beibehalten wollen, beanspruchen sie wieder einmal Sonderrechte für ihre Zunft“ ärgert sich Tierschützer Marc Buchtmann und Britta Gorsler fügt hinzu: „Wir hoffen, dass die Novellierung des Jagdgesetzes tatsächlich das Ende für Baujagd und Schliefanlagen bedeutet.“

“WIR FÜCHSE” - Marc Buchtmann
Wilhelm-Raabe-Str.16
32105 Bad Salzuflen
www.wir-fuechse.de
Tel. (0 52 22) 807 18 11

 

Privateigentum – Jagen verboten! Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte stärkt Rechte von Jagdgegnern!


Berlin, 27.06.2012. Dürfen Jäger gegen den Willen von Grundstückseigentümern auf deren Besitz jagen? Nein, entschied am 26.06.2012 der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg und stärkt damit die Rechte von Menschen, die die Bejagung von Tieren aus ethischen Gründen ablehnen.

Zum Hintergrund: Seit nunmehr zehn Jahren klagt ein Grundstückseigentümer aus Baden-Württemberg gegen die Bejagung des Wildes auf seinen Wiesen in Rheinland-Pfalz, obwohl er das Töten von Wildtieren aus ethischen Gründen ablehnt. Der Kläger sieht darin u. a. einen Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot der Europäischen Menschenrechtskonvention.
Wie kommt es überhaupt zu der, für Außenstehende wenig nachvollziehbaren, Situation, dass Jäger auf privaten Grundstücken Wild nachstellen dürfen? Das Bundesjagdgesetz macht es möglich: Es sieht nämlich vor, dass bei Grundstücken unter 75 Hektar die Eigentümer verpflichtet werden, Mitglied einer Jagdgenossenschaft zu werden und somit hinnehmen müssen, dass die Jagd auf ihren Flächen ausgeübt wird. Gegen diese Bestimmung klagte der betroffene Grundstückseigentümer bereits in den vergangenen Jahren vor deutschen Verwaltungsgerichten und dem Bundesverfassungsgericht – bislang erfolglos.
Doch nun dieses wegweisende Urteil: Am 26.06.2012 entschied die Große Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg, dass Grundstückseigentümer die Jagd auf ihrem Land nicht dulden müssen. Die Begründung: Dies sei eine unverhältnismäßige Belastung für all jene Menschen, die die Jagd aus ethischen Erwägungen ablehnten. Damit folgte der Gerichtshof seinen Schlussfolgerungen in zwei früheren Urteilen, die das Jagdrecht in Frankreich und Luxemburg betrafen. Dieses Urteil der Großen Kammer ist bindend, eine Berufung ist nicht mehr möglich.
„Die Entscheidung des EGM ist ein wichtiges Urteil und stärkt die Rechte von Tierfreunden“, so Petra Zipp, Vorsitzende des bmt. „Grundstückseigentümer, die es ebenfalls ablehnen, dass auf ihren Grund und Boden Wildtiere von Jägern getötet werden, sollten diesem Beispiel folgen und sich nun zur Wehr setzen“, empfiehlt Petra Zipp weiter.
Nach Ansicht des bmt wird sich dieses Urteil insbesondere auf Landesebene auswirken. Nachdem im Rahmen der Föderalismusreform das Grundgesetz zum 01.09.2006 geändert wurde, fällt das Jagdwesen nun unter die konkurrierende Gesetzgebung.
Presseanfragen:
Dipl. biol. Torsten Schmidt
Jagdpolitischer Sprecher des bmt
Tel.: 04642/92 24 97
 


Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen - Abschaffung der Hobbyjagd jetzt!


Schon wieder erschüttert die Meldung von Todesschüssen eines Jägers die Öffentlichkeit: In Ingolstadt hat gestern Abend ein 43-jähriger Jäger den Ex-Mann seiner Ehefrau und dann sich selbst erschossen. Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!

Psychotests für Jäger gefordert: In Österreich wird die Forderung »Psychotests für Jäger« in der Öffentlichkeit diskutiert. Nach dem Tod von vier Menschen, erschossen von einem Jäger, forderte die SPÖ Salzburg, den Zugang zu Waffen und die Kontrolle zu verschärfen. Waffenbesitzer sollen psychologische Tests absolvieren müssen. (Salzburger Nachrichten, 3.10.2013) Auch eine Null-Promille Grenze bei der Jagd wird immer wieder gefordert.
In der Schweiz müssen Jäger in Zukunft nachweisen, dass sie treffsichere Schützen sind. Denn auch hier sorgen Jäger immer wieder für Schlagzeilen, wenn ihnen im Umgang mit der Waffe Fehler unterlaufen. (Neue Luzerner Zeitung, 6.10.2013)
Auch in Deutschland gibt es alle paar Tage dramatische Meldungen über Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen, welche die Forderung nach regelmäßigen Psychotests für Waffenträger unterstreichen.
Lesen Sie unsere Dokumentation Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen 2013.
Ohne Jagd finden Natur und Tiere ins Gleichgewicht
Die Mär vom Jäger als Naturschützer ist längst widerlegt. Wissenschaftliche Studien belegen die Selbstregulierungsfähigkeit der Natur. Auch die Erfahrungen in großen europäischen Nationalparks zeigen: Es geht Natur und Tieren ohne Jagd viel besser!
Immer mehr Biologen gelangen zu der wissenschaftlich untermauerten Ansicht, dass die Tiere ihre Populationsdichte am besten selbst regeln und Überpopulationen vor allem dadurch entstehen, weil bestimmte Tierarten wie Rehe und Hirsche von den Jägern durch »Hege« und Fütterung besonders gefördert werden.
Die Auffassung, dass sich die richtige Wilddichte ganz von selbst einstellt, vertritt beispielsweise der renommierte Zoologe Prof. Dr. Josef Reichholf: Die richtige Wilddichte könnte sich ganz von selbst einstellen, wenn die Tiere, wie z.B. das Reh, nicht durch Bejagung und Wildfütterung in den Wald hineingedrängt würden. (Süddeutsche Zeitung, 28.01.2009)
Prof. Dr. Reichholf weist in einen SPIEGEL-Interview darauf hin, die Jäger die für den Abschuss attraktiven Wildbestände durch Fütterung künstlich hochhalten: »Während wenige Arten gepäppelt werden, wird das Raubwild viel zu stark dezimiert...« Ohne Bejagung würden die Tierbestände auf ein natürliches Maß zurückgehen, und seltenere Arten wie der Feldhase würden profitieren. (SPIEGEL 27/2012)
Quelle: www.abschaffung-der-jagd.de


Gibt es noch Wildtiere … oder nur noch Schädlinge?


Zusammenfassung: Fällt die Verfolgung von Wildtieren noch unter den Begriff „Jagd“ oder sollten wir vielmehr von „Schädlingsbekämpfung“ sprechen? Viele Wildtiere vom Kaninchen bis zum Reh, von der Taube bis zum Kormoran, vom Marder bis zum Fuchs werden als Schädlinge degradiert und verfolgt. Die Wirkung jedoch ist fragwürdig – das ökologische Gleichgewicht wird nicht durch die Tiere gestört; es ist der Mensch, der der nachhaltig für Probleme sorgt, die mir Blei nicht zu lösen sind. Rotfuchs_im_Winter01_small02

Verfolgt man die Presse und sonstige Verlautbarungen aus Jagdkreisen hat man schnell den Eindruck, dass es kaum noch Wildtiere gibt – Schädlinge scheinen an deren Stelle getreten zu sein. So wird als wesentliches Argument für die Jagd und für die Rücknahme von Schonzeiten immer wieder der Schutz vor Schäden an land- oder forstwirtschaftlichen Flächen und auch in der Binnenfischerei vorgegeben. Die Jägerei soll uns vor Seuchen bewahren und in der aufgeräumten Landschaft für ökologisches Gleichgewicht sorgen.
Wer in unserer Natur als Schädling diffamiert wird, hat nicht gut lachen: Er wird erbarmungslos mit Blei gejagt oder ihm wird gar mit Fallen nachgestellt. In signifikant vielen Fällen hat der lange leidensträchtige Tod des Wildtieres mit „weidmännischer“ Jagd nichts zu tun, vom Tierschutz gar nicht erst zu reden.
Es gibt kaum ein Wildtier, welches nicht auf des Jägers Schädlingsliste steht:
Das Wildschwein gräbt Kartoffeläcker um und auch schon mal einen Golfplatz. Wie das Rehwild vermehrt es sich ungezügelt, nur, dass Letztgenannte auch noch den Wald anknabbern. Das machen Kaninchen manchmal mit Obstbäumen oder mit den Stiefmütterchen auf dem Friedhof.
Gänse
vom Nil und aus Kanada, Enten heimischer Provenienz und Tauben sind wegen ihrer Hinterlassenschaften an gepflegten Seeufern oder auf dem Kirchplatz unbeliebt, Krähen und Elstern stehlen des Bauern Saat oder räubern Singvogelnester aus. Sogar am Niedergang des Hasen seien sie nicht unbeteiligt. Der Binnenfischer wünscht dem Kormoran … nichts Gutes.
Bei Hessens Umweltministerin Puttrich haben wir gelernt, dass der Dachs die Verkehrsunfallstatistik erhöht und auf der Suche nach Engerlingen sogar ganze Maiskulturen umgräbt. Für ganz schlimm halten manche Jäger die Osteuropäer und andere Ausländer – allen voran Marderhund, Mink und Waschbär. Die Beutegreifer, insbesondere Reineke Fuchs, werden mit dem Argument Überträger des Fuchsbandwurms zu sein, eliminiert. Nicht die Landwirtschaft oder gar die Jagd selbst, nein Fuchs & Co. sind angeblich auch für den Untergang von Rebhuhn und anderen Bodenbrütern verantwortlich. Es gibt allerdings auch Jäger, die diesbezüglich anders denken: die „ökologischen“ Jäger.ToterFuchs02_small02
Die Liste der vermeintlichen Schädlinge ist noch viel länger: Hunde und Katzen gehören dazu, ebenso wie Eichhörnchen, Greifvögel und – man höre und staune – Igel, die inzwischen aber geschützt sind. Vielen nutzt es aber wenig, denn eine Garantie vor Nachstellung ist das nicht. Eine Frage der Zeit ist es, wann auch wieder Wolf und Luchs zu Schädlingen degradiert werden – es wird garantiert nicht lange dauern.
Etliche Arbeiten von jagdunabhängigen Wissenschaftlern und auch jagdfreie Gebiete belegen, dass die Natur die intensive Jagd, wie sie in Deutschland mit über 300.000 Freizeitjägern betrieben wird, nicht braucht. Die Natur reguliert sich ohne die Jagd weitgehend von selbst und die Biodiversität würde wahrscheinlich sogar zunehmen.
Manche Wissenschaftler, wie Prof. Josef Reichholf von der Zoologischen Staatssammlung München, aber auch prominente Jäger wie zum Beispiel der Wildschweinexperte Norbert Happ, sind der Meinung, dass die Jäger viele der ökologischen Probleme selbst verursachen, die sie dann mit bleihaltigen Geschossen wieder lösen wollen.
Wer ist dann der Schädling? Das Reh, welches in der Winterruhe gestört wird, das Wildschwein, welches gemästet wird, der Fuchs, welcher die Rötelmaus oder auch mal Kaninchen kurz hält … oder doch der Mensch, der das ökologische Gleichgewicht signifikant stört?
Es gibt zahlreiche Stimmen, die eine Bejagung von Beutegreifern wie dem Fuchs oder Marderartigen und von Federwild für nicht zielführend halten. Damit könnte man auch endgültig auf die Fallenjagd und die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Wildtieren verzichten.
In einigen Regionen scheint es mehr Schwarz- und Rehwild zu geben, als es die kultivierte Landwirtschaft verträgt. Mittelfristig könnte man hier Abhilfe schaffen durch ein Maßnahmenpaket, bestehend aus absolutem Fütterungsverbot (außer in strengen Notzeiten), weitgehender Jagdruhe (Januar – September) und Empfängnisverhütung in ausgewählten Problemzonen (keine Auswirkung auf die Qualität des Wildbrets).
Und was machen die Jäger dann? Auch dann wird es noch viele Aufgaben für den Jäger geben: die Nachsuche von verletztem Wild, das Pflanzen von Hecken, das Zählen von Wildtieren … und in den Herbstmonaten darf ja dann auch wieder in begrenztem Umfang gejagt werden.
--
Wildtierschutz Deutschland e.V.
Lovis Kauertz, (Vorsitzender)
Am Goldberg 5, 55435 Gau-Algesheim, T. 0177-7230086, wildtierschutz@gmail.com
www.wildtierschutz-deutschland.de, www.schonzeit-fuer-fuechse.de

Bund für Tier- und Naturschutz Ostwestfalen e. V.     Fon: 0 52 51 - 7 15 50   Mail: kontakt[at]tierschutz-ostwestfalen.de